conversationpiece

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conversationpiece
03.-07.02.2016
HKW

Die nächste Ausgabe der transmediale nimmt die Form eines „Conversation Piece“ an, welches sich über eine Reihe von Dialog- und partizipativen Veranstaltungsformaten entfaltet. Im Rahmen dieser dialogischen Veranstaltungen werden die brennendsten Themen der heutigen post-digitalen Kultur artikuliert, und gleichzeitig die wichtigsten laufenden Themen der transmediale reflektiert.

Da andauernde Kommunikation zum alltäglichen Merkmal post-digitaler Kultur geworden ist, lassen sich Konversationsstarter zwar nahezu überall finden, dabei aber in der heutigen agonistischen und sich rasch verändernden Kulturlandschaft eine gemeinsame Grundlage für ein Gespräch zu definieren, ist eine gewaltige, wenn nicht gar unmögliche Aufgabe. Vor dem Hintergrund der verschiedenen Prozesse des sozialen Wandels, haben europäische Maler im 17. und 18. Jahrhundert die Gruppenporträtmalerei perfektioniert: Im sogenannten Konversations- stück (Conversation Piece) wurde das Alltagsleben der Aristokratie in idealisierten Szenen der gemeinsamen Aktivität dargestellt. Das „Conversation Piece“, welches die transmediale 2016 darstellt, verweist auf und problematisiert das Ideal des gemeinsamen Nenners durch vier miteinander verbundene Streams: Anxious to act, Anxious to Make, Anxious to Share, Anxious to Secure (bestrebt zu handeln, bestrebt zu kreieren, bestrebt zu teilen, bestrebt zu sichern).

Anhand dieser Streams werfen wir einen kritischen Blick auf das, was sich heute als die fragmentierten und widersprüchlichen Idealbilder kultureller Produktion und des Lebens im digitalen Kapitalismus verstehen/bezeichnen ließe. Kann die Unsicherheit, an diesen musterhaften Aktivitäten teilzunehmen oder gerade nicht teilzunehmen, in einer Weise genutzt werden, welche nicht nur zu reaktionären Positionen basierend auf Angst und Ausgrenzung führen? Was sind die möglichen neuen Werte und Methoden kultureller Gemeinschaftsproduktion, die sich nicht bloß als „offen“ und „frei“ begreifen, sondern die darüber hinaus in radikaler Weise Fragen der Sicherheit, des Teilens, kollektiver Handlungsweisen und nach neuen Möglichkeiten von Maker-Kultur und DIY in der post-digitalen Kultur miteinbeziehen?

Ausschreibung für Workshops & interdisziplinäre Projekte

Mit dem 2016 Conversation Piece fragt die transmediale, wie wir uns den Unsicherheiten des Lebens mit Technologie zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellen, und ob es Möglichkeiten gibt, um die Prozesse des soziokulturellen Wandels gemeinsam neu zu erfinden?


Bei der Auseinandersetzung mit dieser und den oben genannten Fragen, suchen wir nach interdisziplinären Projekten, die das Festivalpublikum auf mehreren Ebenen mit einbeziehen. Workshops, theoretische und/oder praktische, sind besonders willkommen, ebenso thematische Diskussionen, Präsentationen künstlerischer Forschung, Performances, performative Vorträge und andere Hybridformate. Erwünscht sind Vorhaben, die aus mehreren sich quer durch das Programm ziehenden Aktivitäten bestehen. Insbesondere möchten wir dabei bestehende, lokale und translokale Netzwerke, Projekte, Gruppen und Kollektive auffordern, ihre Vorhaben einzureichen, die bei einem oder mehreren der folgenden thematischen Stränge ansetzen:

Anxious to Act
Dieser Stream befasst sich mit der Komplexität des Handelns in einer Welt bestehend aus sich ständig neu vernetzenden Strömen und der zunehmenden “Unordnung” des Globalen. Der Fokus liegt auf der angespannten idealisierten Szene des “Medienaktivismus” sowie den multiplen Logiken und Bedeutungen von “Intervention”, verstrickt in Grammatiken des Künstlerischen oder Technischen. Was macht die Menschen heute bestrebt zu handeln? Was könnte sie daran hindern, für ihr Handeln substanziellere Formen zu finden - Formen, die den von asymmetrischen Machtverhältnissen geprägten Verhältnissen einer globalen Gesellschaft in mikro- sowie makro-politischen Maßstäben angemessen wären? Welche fundamentalen Irritationen bestehen gegenüber den immer mehr durch Medien vermittelte Handlungen, in einer Welt, die sich im Umbruch befindet? Und können diese Irritationen neue, effektive Assemblagen der Handlung stimulieren?

Anxious to Make
Dieser Stream betrachtet das neue Konglomerat kybernetischer Automatisierung, DIY-Kultur und industrieller Produktion. Hier stehen auf Makroebene die Unsicherheiten angesichts des globalen Wettbewerbs im Vordergrund. Auf Mikroebene geht es um die Ängste, sich überhaupt mit den sozio-politischen Konsequenzen auseinanderzusetzen, während neue Maker-Kulturen die Handwerkskunst des Prototypischen, Instrumentalen und Unternehmerischen feiern. Was sind die kulturellen Implikationen des Idealbildes von Industrie 4.0 oder der sogenannten dritten industriellen Revolution, in der neue Kulturen industrieller Fabrikation mit der DIY-Kultur zusammentreffen?

Anxious to Share
Die idealisierte Szene dieses Streams ist die einer Sharing-Kultur aus Mikropraktiken und Heimgewerbe. Diese Kultur entwickelt sich in Hinblick auf die Krise der sich zurückziehenden öffentlichern Hand und unerbittlicher Privatisierung als Teil innovativer bürgerschaftlich organisierter Alternativen. Dabei geht es hier um eine kritische Sicht und eine Perspektive nach dem Hype um die Startup Economy bei der Betrachtung damit zusammenhängenden Themen wie Marktumbrüche und -verdrängung, die Bedingungen kultureller Produktion, raumbezogene Politik und Netzwerkökonomie. Wir sind bestrebt zu teilen, aber wollen wir wirklich die Verantwortung übernehmen dafür, was und wie etwas gemeinsam genutzt wird? Und aus einer nicht-anthropozentrischen Perspektive heraus gefragt: Können neue planetare Skalen des Teilens entstehen?

Anxious to Secure
Dieser Stream betrachtet die zunehmenden Sicherheitsbestrebungen von allem, ob von individueller Kommunikation, Kunst und Medien-Produktion oder von Konzernen und Nationalstaaten. Vor dem Hintergrund eines Idealbildes totaler Sicherheit entwickeln sich stärker lokalisierte und intimere Ideen von Vernetzung und sicherer Kommunikation, gemeinsam mit dem Aufstieg resistenter, autonomer und hybrider Netzwerke. Hier wird Absicherung sowohl aus der Sicht der alten und neuen militärisch-industriellen und Unterhaltungskomplexe als auch aus der Perspektive der Unsicherheiten des täglichen Lebens betrachtet. Wie können wir lernen, mit dem beängstigenden Zustand der zunehmenden Prekarisierung zu leben, aus der heraus wir nun versuchen, Sicherheit herzustellen - als Hacker, Whistleblower, Künstler, Arbeiter oder einfach als Nutzer?

Bewerbungs- und Auswahlverfahren

Einsendeschluss: 10. August 2015

Hier könnt ihr eure Projekte einreichen.

Einreichungen sollten auf bestehenden Arbeiten zum jeweiligen thematischen Stream basieren. Die transmediale kann keine Projekte unterstützen oder realisieren, die von Grund auf neu produziert werden müssen, oder Projekte, die auf dauerhaften und aufwändigen, physischen Präsentationen in Form von Installationen o.ä. beruhen.

Auch wenn die Themen der transmediale durch das kuratorische Team der transmediale festgelegt werden, wird der Fokus des individuellen Programmes bezugnehmend auf die eingereichten Projekte weiterentwickelt. Auf diesem Weg streben wir einen Dialog zwischen thematischen Ideen und gegenwärtige kulturelle Praxis an. Das finale Programm beinhaltet unter Umständen einen Mix aus eingeladenen Teilnehmern, Projekte unserer Ganzjahresplattform (transmediale/resource) und ausgewählten Beiträgen aus der Ausschreibung. Benachrichtigungen über eine mögliche Teilnahme an dem Festivalprogramm werden bis Oktober 2015 versendet.

 

 

kulturstiftung des bundes
transmediale ist gefördert von
Kulturstiftung des Bundes
 
kulturstiftung des bundes
ein Projekt von
Kulturprojekte Berlin
 
kulturstiftung des bundes
in Kooperation mit
Haus der Kulturen der Welt

 

 

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