Pink Bits

Jahr: 
2011
Duration: 
5:18 min
Format:
film/video

Glitches entstehen durch Systemstörungen und passieren zum Beispiel, wenn man einen Film in einem Player abzuspielen versucht, der diese bestimmte Datei nicht unterstützt. Die meisten Glitches passieren ungewollt und unerklärlich und ihr Aussehen lässt sich schwer vorhersagen. Dies wiederum macht sie für eine wachsende Zahl von Künstlern gerade so interessant. Während Trial-and-Error Experimente in einem bestimmten ästhetischen Spektrum zu Ergebnissen kommen, entstehen Glitches normalerweise durch das System selbst, wodurch sie immer einen Grad an Zufälligkeit mitbringen, der sich der künstlerischen Kontrolle entzieht. Für Pink Bits hat Tracy Cornish einer Datei ihre gesamten Bild- und Toninformationen entzogen – quasi ihren ursprünglichen Inhalt – sodass nur noch die Glitches abstrakter rosafarbener Figuren übrig bleiben. Mit den Sounddateien aller Frames hat sie eine neue Klanglandschaft gebastelt. Die Atmosphäre ist dabei ziemlich dunkel, als ob ein unbekanntes Wesen in die digitale Welt eingedrungen ist und jetzt – wie ein Virus – gleichsam den Traum digitaler Perfektion und unser Vertrauen in das System stört. Gleichzeitig schafft dies eine ganz eigene Art schöner, um nicht zu sagen, schlechthin verführerischer, audiovisueller Rhythmen. Doch möglicherweise machen ja genau diese ästhetische Qualität oder ihr Effekt das Ganze noch düsterer. Liegt in der Faszination für die Störungen der Systeme gar der unbewusste Todestrieb unserer digitalen Kultur?

 

Image: Pinkbits by Tracy Cornish